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Mittwoch, 29. September 2010

Leseprobe: Bis dass der Tod euch scheidet - Justin C. Skylark

Herzlichen Dank an den Dead Soft Verlag für die Leseprobe!



Verlag: Dead Soft Verlag:

Klappentext:
Black Metal und EBM haben recht wenig gemeinsam, findet Dylan Perk, der cholerische Sänger der Electro-Band RACE. Für eine Festival-Tournee muss er allerdings über seinen Schatten springen, denn ausgerechnet die norwegische Black Metal Band WOODEN DARK, mit ihrem gefürchteten Frontmann Thor Fahlstrom, soll mit von der Partie sein. Schon bei ihrem ersten Zusammentreffen stellt sich heraus, dass sich der streitsüchtige Dylan und der geheimnisvolle Thor in nichts nahestehen. Ein Kampf um Macht und Stärke beginnt, in dem Dylan gefährlich dicht an seine Grenzen gerät - und letztendlich doch seinen Gefühlen unterliegt.


In dieser Geschichte stoßen zwei Männer aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein können, sich dennoch wie magisch anziehen.

 
LESEPROBE:

Er beugte sich leicht über das Waschbecken, spuckte aus. Es war eindeutig Blut, was sich zäh dem Abfluss entgegen schlängelte, doch er hatte schon schlimmere Dinge erlebt.


Ein Blick in den Spiegel zeigte, dass lediglich seine Unterlippe ramponiert war. Das war auch nicht weiter tragisch. Von Weitem würde man die Verletzung nicht sehen können. In zwei Tagen würden sie wieder in England und die Platzwunde verheilt sein.

Er spürte eine kühle Hand in seinem Nacken. Zum Glück kein Coolpack, so wie letztens, als er Nasenbluten hatte, und die plötzliche Kälte des Kühlelements seinen ganzen Körper binnen einer Sekunde fast schockgefroren hatte.

„Was war denn diesmal, Dylan?“, fragte Tony. Daumen und Zeigefinger massierten den Nacken des Verletzten, der noch immer nachdenklich in den Spiegel starrte und dann missmutig knurrte: „Nichts Wichtiges.“

Tony hob die Augenbrauen leicht an. Nichts Wichtiges. Eigentlich war nichts wichtig, was Dylan sagte und tat, was er anstellte oder sein ließ. Trotzdem stand es jeden Tag brühwarm in der Zeitung. Das war doch auch nicht normal.

Zoff gab es eigentlich ständig. Während der Fahrt, nach der Show und manchmal auch davor. Dass sich Dylan diesmal sogar mit dem Roadie angelegt hatte, der fast einen Kopf größer war, als er, das war mal wirklich ungewöhnlich. Es würde in der Zeitung stehen, jede Wette. Die Reporter lauerten doch überall.

„Dann ist mal Schluss für heute“, äußerte sich Tony in seiner bestimmenden Art. Die passte sogar zu seinem Äußeren. Er war groß und stämmig, und seine langen, schwarzen Haare waren meist zu einem Zopf zusammen gebunden. Optisch hätte er besser in die Mittelalter- Szene gepasst. Doch es schien, als hätte er es zu seiner Lebensaufgabe gemacht den hageren Dylan mit dem großen Herz für Electro auf Schritt und Tritt zu beaufsichtigen, quasi dessen Kindermädchen zu spielen. So auch heute.

„Lass mich wenigstens noch einen Drink nehmen und die Fans abchecken …“, startete Dylan eine der Verhandlungen, die meist zugunsten von Tony ausgingen. Und mit dem legte sich selbst Dylan nicht gerne an.

„Ein Dosenbier im Hotel, mehr ist nicht drin.“ Tonys Hand lag noch immer fest in Dylans Nacken. Und er löste sie auch nicht, als er den Sänger langsam aus dem Bad schob, zurück in den Backstage - Bereich, vorbei an der Security.

„Keine Interviews, heute!“

Tonys Stimme war ermahnend. Die Bodyguards formierten sich ohne weitere Anweisungen. Dylan schlüpfte in seine schwarze Flokatijacke, senkte dabei aber den Kopf, hob den rechten Arm, um sein Gesicht, und somit auch seine kaputte Unterlippe, aus dem Rampenlicht zu halten. Es gelang ihm nur teilweise. Das Gedränge war groß, die Reporter kaum abzuwimmeln.

Es dauerte einige Minuten, bis Dylan auf dem Rücksitz des Grand Cherokees mit den getönten Scheiben Platz nehmen und entspannt einen Durchatmungsversuch starten konnte. Es tat wirklich nur sein Gesicht ein wenig weh. Der Faust, die in sein Gesicht geschnellt war, konnte er nicht zeitig ausweichen. Dabei legte er Wert auf gute Kondition und Schnelligkeit. So etwas konnte nie schaden. Gerade dann nicht, wenn man sich die Welt gerne zum Feind machte.

Weswegen gab es eigentlich diesmal Streit?

„So, geschafft!“ Tony nahm neben ihm Platz und zog die Wagentür zu. Das hinderte die Presse jedoch nicht daran, gegen die Scheibe zu klopfen und weiter Fotos zu machen. Auch der Wagen hinter ihnen, in dem die anderen Bandmitglieder saßen, wurde umlagert. Zum Glück waren sie diesmal nicht mit dem großen Tourbus unterwegs. Das hätte womöglich Verkehrsopfer gefordert.

„Fahr los!“, befahl Tony dem Fahrer des Wagens. „Zum Hotel, ohne Umwege.“



Das Hotelzimmer war noch abgedunkelt, jedoch fiel ein kleiner Strahl der Sonne aufs Bett, sodass Tony problemlos die Tageszeitung studieren konnte.

Natürlich schrieben sie wieder über Dylan Perk. Etwas anderes schien die Menschheit zwischen Politik- und Börsennachrichten derzeit nicht zu interessieren.

Ein kleiner Trost vielleicht, dass sein Gesicht diesmal nicht auf der Titelseite erschien, sondern lediglich eine mittelmäßige Berichtsspalte am Ende der Zeitung über den neusten Eklat informierte.

Der Roadie, der am Tag zuvor handgreiflich geworden war – oder war Dylan mal wieder selbst der Angreifer gewesen? – wollte sich nicht wirklich zu dem Vorfall äußern.

Tony rechnete mit keiner Anzeige. Gegen Dylan Perk würde vielleicht kein Kläger gewinnen. Jedenfalls hatte es zuvor noch niemand versucht.

Das Foto, was den Artikel begleitete, war schlecht. Dylan hatte seinen Arm vor das Gesicht gehalten. Man erkannte ihn nur an den schwarzen Haaren, die wie Stacheln von seinem Kopf abstanden. Dylan verbrachte oftmals über eine Stunde damit, seine Frisur zu richten.

Aber die aufgeplatzte Lippe konnte man auf dem Bild deutlich erkennen. Ebenfalls das Blut, was an seinem Kinn angetrocknet war.

Tony legte die Zeitung beiseite. Sein Schützling war kein Skandal-Rocker, wollte es wohl auch nie werden. Doch dieses verdammte Temperament, welches ständig mit ihm durchging, konnte man nicht wirklich zügeln. Selbst Tony hatte oftmals Probleme damit und ebenso keine Lösung für diesen Fall parat.

Und so ließ es sich kaum vermeiden, dass man den großen, blassen Sänger der Gruppe RACE, als Electro- Freak oder Schwarze Furie betitelte.

Trotz allem, mochte man ihn. Einen derart großen Erfolg hatte die Band nie geplant. Die jungen Mädchen der Schwarzen Szene vergötterten ihren Dylan, wie einen Popstar, dabei machte er keinen Hehl daraus, dass er eigentlich schwul war.

Vielleicht war das der Grund, warum sich Dylan oftmals nicht zusammenreißen konnte und regelrecht ausflippte, erwischte man ihn zur falschen Zeit am falschen Ort.

Der alltägliche Wahnsinn hatte in seinem Kopf längst Einzug gehalten. Und vielleicht genoss er es auch ein wenig die große, unberechenbare Diva zu spielen.

Das Spiel mit dem Feuer war ja auch nicht zu verachten. Zwischen Alltagstrott Studio und den Publikumsauftritten live on stage war eine gewisse Abnormalität nur zu begrüßen.

 
Quelle von Cover, Klappentext und Leseprobe: Dead Soft Verlag

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