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Dienstag, 28. Dezember 2010

Leseprobe: Eva Isabella Leitold – Heißkaltes Spiel

Herzlichen Dank an den Sieben Verlag für die Leseprobe



Eva Isabella Leitold – Heißkaltes Spiel


Team Zero – Special Agents mit außergewöhnlichen Fähigkeiten.

Detective Josephine Silvers Gabe, in den Geist anderer einzudringen, hat schon oft dazu beigetragen, dass ihr SWAT-Team brutale Killer stellen konnte. Ihre überraschende Versetzung in eine andere Stadt, schreibt sie ihrem jüngsten Fall zu, bei dem nicht alles nach Plan lief, und der sie vor ein unerklärliches Rätsel stellt.

Als Special Agent William Turner seine neue Mitarbeiterin kennenlernt, sprühen sofort die Funken! Diese Frau ist in jeder Hinsicht eine Herausforderung für den Leiter des Team Zero. Josy bringt eine Seite in ihm hervor, die er zu unterdrücken gelernt hat, um seine Gabe zu kontrollieren. Josy wirft ihn nicht nur als Vorgesetzten aus der Bahn, sondern auch als Mann.

Doch Josys Leben ist ihn höchster Gefahr, denn ein Serienkiller ist ihr auf den Fersen – und dieser ist noch weitaus gefährlicher, als jeder andere Verbrecher, dem Josy und William je entgegen getreten sind. Aber wie erwischt man einen Mörder, der seinen Häschern immer um einen Schritt voraus ist?

Teil 1 der Team Zero Serie



LESEPROBE:

Der Einsatzbus des SWAT-Teams fiel in der Wohnsiedlung sicherlich auf, denn er setzte inmitten der Grautöne definitiv Akzente. Aber weder Josy noch ihr Team bemühten sich um Unauffälligkeit, schließlich würde dieser Fall hier und heute beendet werden.


Als leitende Beamtin saß Josy zusammen mit ihrem Team auf einer der Rücksitzbänke, in voller Ausrüstung. Schwarzer Einsatzoverall, Vollvisierhelm, darunter eine Sturmhaube, um die Identität des jeweiligen Beamten zu verbergen, eine ballistische Weste, Stahlkappenschuhe und bewaffnet mit einer 9-mm-Glock.

Josy starrte auf den Boden, konzentrierte sich auf ihre Atmung und bereitete sich auf die bevorstehende Situation vor. So wie sie es in solchen Momenten immer tat, um sich von den Wogen ihrer Emotionen nicht überrollen zu lassen. Äußerlich blieb sie reglos, während es unter der Oberfläche heftig brodelte. Adrenalin, gepaart mit ungeduldiger Erwartung, raste durch ihre Venen. Sie spürte dieses Kribbeln bis in die Fingerspitzen. Es war, als säße sie in einem Flugzeug und wartete voller Spannung auf ihren Sprung in die Tiefe, die Schnur des Fallschirms in Reichweite, die Sicherheit des unversehrten Aufkommens im hintersten Winkel ihres Verstandes.

Während die Einsatztruppe wartete – ihre Waffen und ihr Innerstes bereit für den Einsatz – hätte man das Geräusch einer fallenden Stecknadel wahrnehmen können.

Die Vorgehensweise stand seit der Einsatzbesprechung, die in der Zentrale stattgefunden hatte, fest. Man wusste jedoch nie, was sich ergeben, oder wie die Lage sich verändern würde. Zwar konnte man vieles planen, aber ob die Realität sich an den Plan hielt, war immer auch ein Glücksspiel. Also musste sie auf ihr Urteilsvermögen zählen können, das in wenigen Sekunden den gesamten Verlauf des Einsatzes entscheiden konnte, und auf ihr für diese Einsätze eigens ausgebildetes Team vertrauen, das jedoch für seine Kompetenz bekannt war.

Je näher sie dem Ziel kamen, desto deutlicher spürte man die Anspannung. Die Minuten vor dem Einsatz waren eine der mühsamsten Belastungen. Vor allem die Wartezeit ohne aktive Handlungen zerrte an jedermanns Nervenkostüm. Josy öffnete sich für ihre Aufgabe, ließ ihre Sinne schweifen und suchte nach dem Geist des Täters – einem Menschen mit perfiden Gedanken und Gelüsten, der sich Befriedigung verschaffte, indem er sich der Lust, seine Opfer leiden zu sehen, hingab. Er quälte, misshandelte und tötete seine Opfer auf bizarre Art. Josy hatte schon viele bestialische Morde gesehen. Sie war der Meinung, dass sie nichts mehr überraschen oder erschüttern konnte, doch sie wurde in diesem Fall eines Besseren belehrt.

Sie war in ihrem Element. Innerlich lächelte sie bereits, denn sie würde diesen Psychopathen in wenigen Minuten zu fassen bekommen. Das Wissen, dass sie heute durch den Einsatz ihrer Gabe einen weiteren Schandfleck der Gesellschaft beseitigen würde, verschaffte ihr nicht nur persönliche Genugtuung, sondern sie würde wieder einmal beweisen, dass sie in der beruflichen Männerdomäne als Frau bestehen konnte.

Gedanklich hatte sie die Szene schon einige Male durchgespielt. Sie wusste, wie sie vor ihn treten und ihm das Handwerk legen würde. Der Gedanke an das bevorstehende Kräftemessen ließ sie vor Erwartung schaudern. Ihre Andersartigkeit war der Schlüssel, um einen weiteren Mörder zur Rechenschaft ziehen zu können.

Wenn er dabei spielen wollte, na gut, er hatte eine würdige Gegnerin gewählt. Wie es schien, war die Herausforderung bereits ausgesprochen, der Fehdehandschuh geworfen, und sie war mehr als bereit, ihn aufzuheben, zumal ihr dieser Dreckskerl bereits zweimal entwischt war. Noch nie hatte sie sich in der Lage befunden, einem Täter eine zweite Chance eingeräumt zu haben. Bis zum heutigen Einsatz lieferte sie sich mit jedem genau zwei Runden. In der ersten war er ihr voraus. Doch während er sich noch in seinem Triumph sonnte, stöberte sie bereits durch die Reste seiner Tat, nahm seine Spur auf, und prägte sich seine geistige Signatur ein. In der zweiten Runde hatte sie entscheidende Vorteile dem Täter gegenüber. Er hatte keine Chance ihr zu entkommen. Bis dieser hier aufgetaucht war und sie herausgefordert hatte.

Die Kratzer an ihrem Ego waren nichts im Vergleich zu dem Druck, den sie sich für diesen Einsatz auferlegt hatte. Durch ihre Gabe war es ihr immer leichtgefallen, ihre Kontrahenten zur Strecke zu bringen. Vermutlich zu leicht. Dieser hier zumindest hatte ihr diesen Gefallen nicht getan. Er war schlau und hatte seine Handlungen bis ins kleinste Detail geplant. Doch für den gegenwärtigen Moment hatte sie ihre Hausaufgaben ebenfalls gewissenhaft erledigt. Sie war seiner Aura gefolgt, hatte ihn drei Tage observiert und sich nicht, wie sonst, auf seine letzten Gedanken und seine Vorhaben verlassen. Sie kannte nun jeden Winkel seines Verstandes. Jede noch so schmutzige Einzelheit seiner Fantasie.

Dabei hatte sie sogar eine Gemeinsamkeit entdeckt. Auch sie nahm niemals etwas auf die leichte Schulter, und wenn sie sich für einen Auftrag entschieden hatte, war sie verbissen genug, bis zum Ende zu kämpfen. Heute würde dieser Kampf zu ihren Bedingungen entschieden werden. Der Adrenalinspiegel war bereits gestiegen und hatte jegliches Gefühl von Müdigkeit verdrängt. Sie war hellwach, nahm jedes Geräusch, jede Bewegung wahr. Nein, heute würde er kein leichtes Spiel mit ihr haben.

Vor einer Stunde war sie noch bei ihm gewesen, hatte die junge Frau, Marie, gesehen, die er sich angelacht hatte. Wie eine Klette hatte diese sich an ihn gehängt. Ihr war nicht annähernd bewusst gewesen, mit wem sie sich einließ. Und dann hatte er sie hierhergebracht, in diese schäbige Siedlung. Bisher hatte er eine Vorliebe für junge, hübsche Frauen gezeigt. Nun würde ihm das zum Verhängnis werden.

Durch die unbewusste Mithilfe von Marie, zusammen mit dem anonymen Tipp, der in der Zentrale eingegangen war, war sein Schicksal besiegelt worden.

Die Spannung, die inzwischen von Josys Team ausging, konnte man förmlich fühlen. Sie hörte die Erregung beinahe knistern wie das Geräusch einer Hochspannungsleitung. Gerne hätte sie jedem Teammitglied versichert, dass sie alles unter Kontrolle hatte. Doch dann würde sie in Erklärungsnot geraten, also ließ sie es wie immer bleiben und verließ sich stattdessen auf ihre Vorbereitungen und auf ihre Intuition.

Plötzlich spürte sie wieder dieses zarte Raunen, das durch ihren Körper streifte. Darauf hatte sie gewartet. Sie brauchte nur dieses Gefühl. Ein Summen, das durch ihr Bewusstsein drang. Als käme man mit einer Wünschelrute über eine Wasserader.

„Fahr hier rechts ran“, wies Josy den Fahrer an. Er lenkte den Einsatzbus an die Stelle, die sie ihm aufgetragen hatte, und schaltete den Motor ab. Derweil besah sie sich die Umgebung. Prägte sich jedes noch so kleine Detail ein. Sie senkte den Blick, schloss die Augen und richtete ihre ganze Aufmerksamkeit auf ihn. Sofort spürte sie dieses Prickeln im Nacken, das sich rasend über ihren ganzen Körper ausbreitete. Sie lockerte ihre Schilde. Ihr Geist begann, sich aus ihrem Körper zu schälen. Verdichtungen wandelten sich in Energiegebilde. Wie kleinste Fasern von Stoff hielten sie aneinander fest. Sie hob ab und tauchte ein in leuchtendes Licht, das sie wie zähflüssige Masse umschloss. Rasch verschmolz sie mit Licht und Hitze, gab sich ihren Sinnen hin und suchte nach dieser individuellen Kombination, nach seiner Note, nach seinem Seelenabdruck aus Mord, Lust und düsterer Freude. Als sie ihn erfasste, legte sie die Fäden ihres Bewusstseins um seinen Geist.

Es fühlte sich an, als ließe sie ihren Körper als leere Hülle zurück, während sie in einem anderen Kopf als unbeteiligte Beobachterin Platz nahm. Es dauerte nur wenige Sekunden, um ihre Sinne an die neue Situation anzupassen.

Dann betrachtete sie die Welt aus den Augen eines Mörders.

Quelle: Sieben Verlag


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