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Freitag, 17. Dezember 2010

Leseprobe: Kim Landers - Karpatenfürst

Herzlichen Dank an den Plaisir d'Amour Verlag für die Leseprobe

Kim Landers - Karpatenfürst

Osteuropa im 19. Jahrhundert: Anton Drazice kehrt nach Prag zurück, um die Dcera, den Orden der Vampirjägerinnen, auszurotten. Einzig Daniela, ein Mischwesen aus Dcera und Dhampir, kann entkommen.

Drazice reist nach Rumänien in die Karpaten, um mit Fürst Valerji cel Bâtrân, Oberhaupt eines der ältesten und mächtigsten Vampirclans, zu paktieren. Als Daniela erfährt, dass Drazice in die Karpaten zu dem Vampirfürst gereist ist, schließt sie sich fahrenden Zigeunerinnen, Bluthuren, an und folgt ihm. Mehrere Vampire, unter ihnen Fürst Valerji, suchen die Bluthuren im Zigeunerlager auf. In Notwehr tötet Daniela einen der Vampire.

Getrieben von seinem Verlangen, Daniela zu besitzen, droht Valerji, sie und die Zigeunerinnen wegen des Mordes an seinem Gefolgsmann zu töten, wenn Daniela ihm nicht für Liebesdienste zur Verfügung steht. Daniela fühlt sich von dem dunklen Fürsten angezogen und lässt sich willig verführen. Doch Drazice sinnt nach wie vor auf Rache, und auch Valerji würde nicht zögern, sie töten, wüsste er um Danielas wahre Identität ...

Band 2 von Kim Landers' Serie um den Orden der Dcera.


Leseprobe:
Wenig später war sie allein. Sie lauschte, ob sie nebenan ein Geräusch hörte, aber es war totenstill. Ihr Blick fiel auf die dicken Samtvorhänge. Sie könnte durch das Fenster klettern. Schließlich befand sie sich nur im ersten Stock. Auf Zehenspitzen schlich sie zum Fenster und schob den Vorhang beiseite. Erschrocken wich sie zurück, eilte zum nächsten Fenster, um auch dort nachzusehen. Ihre Hoffnung sank aufs Neue, denn dieser Raum besaß kein einziges Fenster, sondern nur gemauerte Nischen hinter den Vorhängen. Daniela war zum Heulen zumute. Die Mauern der Burg waren zu dick, um mithilfe ihrer mentalen Kräfte nach draußen zu gelangen. Wenn sie hier nicht bald herauskäme, würde sie noch verrückt werden.


Vielleicht gelang es ihr, die Tür zu öffnen, ohne dass er es bemerkte? Der Hoffnungsschimmer beflügelte sie.

Sie lugte durchs Schlüsselloch in sein Zimmer. Zu ihrer Erleichterung war es verwaist. Bestimmt hatte er sie seinem Gerede, ihm würde nichts entgehen, einschüchtern wollen. Wenn er dachte, sie von ihrem Vorhaben, zu fliehen, abzubringen, hatte er sich geschnitten. Daniela hätte vor Erleichterung fast gejauchzt. Wenn sie erst einmal hier draußen wäre, könnte sie niemand mehr aufhalten. Dieses Mal musste sie besonders vorsichtig vorgehen. Jedes noch so kleinste Geräusch würde ihm nicht entgehen. Ihr Herz raste, während sie lauschte. Alles blieb still. Nichts rührte sich. Sie hätte zu gern gewusst, was er wirklich trieb. Nachdem sie die Klinke hinuntergedrückt hatte, trat sie in den kerzenbeleuchteten Flur. Schatten tanzten an den Wänden, in denen sie Vampire zu erkennen glaubte. Ihre Nerven spielten ihr einen Streich, sagte sie sich, weil sie Angst davor hatte, an der Flucht gehindert zu werden.

Auch jetzt war der Flur leer. Sie grinste, bevor sie zur Treppe schlich, die am anderen Ende des Korridors lag. Kaum hatte sie das Geländer umfasst, erschrak sie. Sie hatte den Blutdiamanten vergessen! Wie konnte ihr das nur entfallen? Es war das letzte Erinnerungsstück an ihre Mutter und die Dceras, das ihr geblieben war. Wenn sie ihn zurückließe, käme ihr das wie Verrat vor. Ohne ihn durfte sie nicht fliehen. Als sie sich umdrehte, prallte sie zu ihrem Entsetzen gegen Valerji, der mit verschränkten Armen vor der Brust und strenger Miene auf sie herabsah. In diesem Augenblick schien es, als würde ihr Herz aussetzen und das Blut in ihre Füße sacken. Ihre Flucht war früher beendet als befürchtet. Wie konnte sie nur so dumm sein, auch nur einen Moment lang zu denken, sie könnte ihn täuschen? Lernte sie denn gar nicht dazu? Wo war die wachsame Dcera geblieben, die sie einst gewesen war? Ihr Spürsinn? Ihr inneres Auge? Was war nur mit ihr los? Das war nicht mehr die Daniela, die Prag verlassen hatte, um sich an Drazice zu rächen. Die Schnelligkeit des Fürsten war beeindruckend und überraschte sie immer wieder aufs Neue.

Sie hätte vor Enttäuschung schreien können. Stattdessen blickte sie ihn herausfordernd an. Was mochte in ihm vorgehen? Darüber nachzudenken, verblieb ihr keine Zeit, wenn sie fliehen wollte. Aber was wäre mit dem Blutdiamanten? Sie konnte ihn nicht zurücklassen. Daniela fühlte sich hin- und hergerissen zwischen ihrem Wunsch, zu fliehen und der Aufgabe, den Blutdiamanten zu holen.

„Ich sagte doch, dass es zwecklos ist“, sagte er und schüttelte den Kopf. War es das wirklich? Sollten all ihre Bemühungen umsonst gewesen sein? Daniela fühlte sich miserabel, weil sie kapitulieren musste. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als hierzubleiben, denn den Blutdiamanten konnte sie unmöglich in seiner Obhut lassen. Aber sie durfte ihm auf keinen Fall zeigen, dass sie davon wusste und vor allem, welche Bedeutung er für sie besaß. Also musste sie das Fluchtspiel fortsetzen, um seinen Argwohn nicht zu wecken. Sie war so niedergeschlagen, dass sie fast in Tränen ausgebrochen wäre, und wagte nicht, ihn anzusehen.

Als er einen Arm nach ihr ausstreckte, duckte sie sich unter ihm hindurch und rannte die Treppe hinunter. Hoffnungslosigkeit erfüllte sie und ließ ihre Kräfte erlahmen. Valerij packte ihren Oberarm und hielt sie zurück. Sie starrte auf seine Hand, unter der ihre Haut prickelte. Eine angenehme Wärme breitete sich in ihrem Körper aus. Unvermutet umschlang er sie, und ehe sie begriff, befanden sie sich wieder im Schlafgemach. Er warf sie aufs Bett und sah wütend auf sie herab. Seine Nasenflügel blähten sich bei jedem Atemzug.

„War ich nicht deutlich genug?“, herrschte er sie an.

Daniela blinzelte die aufsteigenden Tränen fort. Er hatte gewonnen, weil ihr Plan nicht durchdacht gewesen war, und sie ihn unterschätzt hatte. Aber irgendwann, wenn sie nur fest daran glaubte, würde die Stunde ihrer Flucht kommen, zusammen mit dem Blutdiamanten. Sie durfte nicht aufgeben. Die Hoffnung war das Einzige, was sie aufrechterhielt, ihm und seiner düsteren Faszination zu entkommen.

Ich sagte Euch doch, Ihr könnt mich hier nicht festhalten. Ich werde nie aufgeben, zu fliehen.“

Zuerst sah es aus, als wollte er etwas erwidern, doch dann drehte er sich um und verließ schweigend den Raum. Mit einem Knall fiel die Tür hinter ihm ins Schloss. Sie war gefangen wie ein Vogel in einem schwarzen Käfig. Rabenschwarz wie die Seele dieses Vampirs.

Daniela warf sich schluchzend in die Kissen. Sie hatte eine gute Gelegenheit verpatzt und bereute es bitter. Wann würde sich eine nächste bieten? Vielleicht war sie gezwungen, wochen-, gar monatelang zu warten, immer den eigenen Tod vor Augen. Und wie lange würde sie ihre Gefühle im Zaum halten können, die jedes Mal mit ihr durchgingen, wenn er sie berührte?

Sie weinte lautlos, bis sie irgendwann erschöpft einschlief.
 
....




 
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Quelle: Plaisir d'Amour

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