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Sonntag, 16. Oktober 2011

Leseprobe: Sandra Busch - Blood in Mind

Titel: Blood in Mind
Autorin: Sandra Busch
Verlag: Dead Soft Verlag (August 2011)

Far Baxter ist ein harter Typ. Aufgewachsen bei der Straßengang »Die Nachtwölfe« jagt er nun Dämonen und andere Unterweltler in einer Spezialeinheit der Polizei. Und so ist es eine unangenehme Überraschung, als ausgerechnet ein Vampir sein Leben rettet. Aber Songlian Walker hat noch so manche Überraschung für Far auf Lager. Bald kommen Gefühle ins Spiel, die Far nicht für möglich gehalten hätte und gegen die er sich mit Händen und Füßen wehrt.

LESEPROBE

Eine halbe Stunde später lenkte Far den metallicgrünen Dodge auf seinen angemieteten Parkplatz in der Tiefgarage seines Wohnblocks. Mit dem Hemdsärmel wischte er noch ein imaginäres Staubkörnchen von dem polierten Lack des liebevoll aufgearbeiteten Wagens und machte sich auf den Weg zum Fahrstuhl. Er stand bereits in der Kabine, als ihm einfiel, dass sein Wohnungsschlüssel noch im Handschuhfach lag. Mit einem leisen Fluch kehrte er um. Zu dieser frühen Morgenstunde war es in der Tiefgarage totenstill. Selbst seine Doc Martens verursachten beim Laufen keinen Laut. Müde fuhr sich Far über das Gesicht, fühlte unter seinen Fingern deutliche Stoppeln und wischte sich dann eine hellbraune Haarsträhne aus den Augen. Im nächsten Augenblick hielt er verblüfft mitten im Gehen inne. Wie von Zauberhand klappte der Kofferraumdeckel seines Wagens auf und sein geheimnisvoller Helfer schwang sich heraus. Ohne Far zu bemerken, der jetzt seine DV8 zog und auf ihn anlegte, klopfte der Fremde seine Kleidung aus.

„Der Kofferraum war frisch gereinigt.“

Der Kopf des Fremden fuhr ruckartig in die Höhe, doch schon hatte er sich wieder in der Gewalt. Sein Gesicht verzog sich zu einem gewinnenden Lächeln.

„Dafür bin ich dir auch sehr dankbar.“ Seine Stimme hatte ein anziehendes, warmes Timbre. Auffallend bernsteingelbe Augen richteten sich abschätzend auf die Waffe in seiner Hand.

„Jetzt frage ich mich nur noch, was du in meinem Kofferraum gesucht hast. Vielleicht hättest du ja die Güte und klärst mich auf?“ Far merkte, dass er sich momentan an der Schwelle der Beherrschung befand. Erst die Dämonen, dann dieser Blödarsch Scott Wilburn mit seinem verflixten Team und nun auch noch ein blinder Passagier.

„Ich hatte die Wahl zwischen deinem Kofferraum und einer Auseinandersetzung mit deinen Kollegen“, antwortete der Fremde.

„Wenn ich mich nicht irre, dann hast du mir vorhin doch geholfen. Mit aller Wahrscheinlichkeit hätte dich ein Dank erwartet, oder etwa nicht?“

Statt einer Entgegnung entblößte sein Gegenüber spitze, weiße Fangzähne. Unwillkürlich wich Far einen Schritt zurück. Jetzt wusste er auch, was ihn vorhin an dem Fremden gestört hatte: Es waren die fließenden Bewegungen gewesen. Bewegungen, die viel zu geschmeidig für einen Menschen waren.

„Du bist ein verdammter Blutsauger?“ Far hob seine Waffe höher. „Bist du verrückt, einfach in den Kofferraum eines Officers zu steigen?“

„Eigentlich bin ich in den Kofferraum eines Far Baxters gestiegen. Eines Dämonenkillers, der jetzt hoffentlich ein Auge zudrückt.“

„Wie bitte?“ Far glaubte, sich verhört zu haben.

„Nun ja, schließlich teilen wir die Leidenschaft für das Töten von Dämonen.“

„Und woher kennst du meinen Namen?“, wollte Far jetzt wissen.

„Du und dein Team seid mir bei der Dämonenjagd bereits öfters über den Weg gelaufen. Und weil du mich interessiert hast, habe ich dich eine Weile beobachtet und herausgefunden, warum du bei den Dämonen so unbeliebt bist. Du bist verdammt gut in deinem Job.“

Far schnaubte belustigt und schaltete auf das zweite Magazin seiner DV8 um.

„Komplimente von einem Reißzahn? Was willst du damit bezwecken? Nein, beweg dich lieber nicht!“

Der Vampir hob beschwichtigend die Hände.

„Ich wollte dich kennenlernen, Baxter. Vielleicht nicht gerade auf diese Art und Weise, aber früher oder später hätte ich dich schon noch angesprochen. Du gefällst mir nämlich.“ Er trat nun einen Schritt auf Far zu. Der schoss gnadenlos und ohne mit der Wimper zu zucken. Drei sicher gezielte Geschosse schlugen in den Körper des überraschten Blutsaugers ein. Mit einem dumpfen Laut brach der zusammen.

„Ich sagte doch, du sollst dich nicht bewegen“, brummte Far und legte seine Waffe beiseite. Ein wenig wunderte es ihn, dass er den unerwünschten Mitfahrer nicht einfach abgeknallt hatte. Was für eine bodenlose Frechheit, seinen Dodge als Taxi zu missbrauchen! Da er keine Ahnung hatte, wie lange die Selbstheilungskräfte eines Vampirs benötigten, um die Betäubungsgeschosse zu neutralisieren, suchte er eilig nach seinem Handy. Flink gab er eine Kurzwahl ein und suchte ungeduldig nach seinem Wohnungsschlüssel, bis endlich jemand auf seinen Anruf reagierte.

„Coop, ich bin’s. Es gibt Probleme. Kannst du mit Joey kommen? – Ja, jetzt sofort. – Natürlich weiß ich, wie spät es ist. Im Gegensatz zu meinem Problem besitze ich eine Uhr. – Aye, ich bin in meiner Wohnung.“ Ohne eine weitere Erklärung unterbrach Far das Gespräch. Dann nahm er dem reglosen Vampir als Erstes eine Walther P99 und einen Dolch ab, der dem seinen sehr ähnlich war. Die Waffen warf er in den Kofferraum seines Dodge, den er dann abschloss. Nun musste er nur noch den Vampir aus der Tiefgarage bekommen. Mühsam wuchtete er sich den schlaffen Körper über die Schulter und trug ihn zum Fahrstuhl. Wenigstens brauchte er seinen ungewollten Gast nicht noch die Treppen hinauf zu schleppen. In der vierten Etage angekommen, spähte er erst nach rechts und links, ehe er den Fahrstuhl verließ und zu seiner Wohnungstür eilte. Hastig öffnete er und ließ die Tür mit einem erleichterten Seufzer hinter sich ins Schloss fallen. Neugierige Nachbarn hätte er jetzt nicht auch noch ertragen. Aber wohin nun mit dem Vampir?


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